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Neujahrsansprache 1890

Ansprache des Gründers Jacques Gassmann anlässlich des Jahres-Abschlussessens mit der Belegschaft (Rechtschreibung, Interpunktion, etc. wie original)

GASSMANN, MANN & CO.

Zürich, 28. Dezember 1890

Verehrte Damen und Herren!

Liebe Anwesende !

Ich bitte Sie mit Güte entschuldigen zu wollen, wenn ich die paar Worte die ich anlässlich des heutigen kleinen Festes­sens an Sie richten möchte, wiederum nicht auswendig Ih­nen vortrage, allein die Zeit war mir auch dieses Jahr wie­der wie Ihnen Allen wohl bekannt sein dürfte zu kurz und zu bemessen.

Vorerst seien Sie mir Alle herzlichst willkommen, es hat mich sowie meine liebe Frau sehr gefreut, dass Sie auch dieses Jahr meiner Einladung zu meinem bescheidenen Nachtessen so pünktlich und so zahlreich Folge geleistet haben, besonders freut es mich und gewiss auch Sie Alle, dass es dieses Mal meinem lieben kranken Mitarbeiter Herrn Mann möglich war, nebst seiner werthen Frau Ge­mahlin in unserer Mitte an unserem kleinen Fest Theil zu nehmen. Wir wollen Alle uns der Hoffnung hingeben, das kommende neue Jahr werde mehr Rücksichten auf seinen lästigen Krankheitszustand nehmen. Es möge mit der Wen­de des Jahres auch ein baldiger Wink zur Besserung ihm bevorstehen.

In wenigen Stunden sind wir schon wieder am Schlusse ei­nes Jahres angelangt, am Schlusse eines Jahres das wie im Blitzzug an mir vielleicht auch an Ihnen vorbeibrauste, denn so ist mir als ob Sie vor wenigen Tagen bei mir an demselben Tisch gemütlich versammelt waren, und das ist dann so, wo ist ein ganzes Jahres ein volles Geschäftsjahr dazwischen das uns wenn wir demselben einen kurzen Rück­blick gewähren wollen, nebst vielen Sorgen und Aergernissen auch andererseits wieder viele Freuden und neue Hoff­nungen zu Tage gefördert hatte.

Im Grossen und Ganzen kann ich das bald abgelaufene Jahr nicht nach allen Richtungen als ein gutes bezeichnen nahm neben der herrschenden allgemeinen Krisis die den Handel und besonders den Kleinhandel so schwer betroffen und theilweise lahm gelegt hat, auch noch unsere Hauptin­dustrie der Tricotartikel bedenklich zu kränkeln anfing.

Die Mode ist demselben leider nicht mehr so hold wie vor Jahren. Doch die Welt und so auch wir werden nicht stille stehen, wir werden oder haben uns bereits nach Neu­em umgesehen, um im neuen Jahr frisch gesattelt und fri­schen Muthes wieder vor die Kundschaft treten zu können. Mögen die neuen Artikel sowie das neue Jahr reichen Segen bringen.

Im verflossenen Sommer haben wir nun meinen längst ge­rügten Übelstand abzuhelfen und andererseits in der Saison wiederum unserer werthen Kundschaft schneller und prompter aufwarten zu können durch grössere kostbillige Umbauten ein geeignetes dem Zweck in jeder Hinsicht ent­sprechend grösseren Glätterei aufstellte die nicht nur dem betroffenen Arbeitspersonal eine wahre Wohlthat ist sondern im Ganzen unserem Fabrikgebäude sehr wohl an­steht. Im Herbst gründeten und eröffneten wir unser best eingerichtetes und gut gelegenes zweites Detailgeschäft den sogenannten Detail B am Bahnhofplatz, und ist es mein in­nigster Wunsch dass sich dasselbe mit der Zeit ebenso ent­wickeln und soviel Früchte tragen möge, wie unser altes Detailgeschäft an der Poststrasse. Grosse Ausdauer und viel körperlich und geistige Arbeit hat es mich gekostet die­se beiden Schöpfungen neben meinen üblichen Arbeiten und der Leitung des Geschäftes ins Leben zu rufen allein mit

der richtigen Liebe und Energie erfüllt ist gar vieles mög­lich besonders wenn man dabei von fleissigen & bewährten Angestellten und von meiner rücksichtsvollen & prächtigen Frau von Morgen früh bis Abendsspät tatkräftig unterstützt wird, ich fühle mich veranlasst Ihnen Allen sowie meiner lieben Ehehälfte den herzlichen Dank dafür aus zu ­sprechen.

Ich habe Sie doch dieses Jahr nicht nur um mich versam­melt um Sie mit Speise & Trank zu versehen, meine Einla­dung hat wiederum hauptsächlich den Zweck gehabt, um in den paar fröhlichen Stunden des Zusammenseins die vielen Unannehmlichkeiten & Ärgernisse die nun mal bei der heu­tigen Geschäftslage und der furchtbaren Concurrenz nicht zu vermeiden sind recht zu vergessen und sie nicht mit in das neue Jahr hinüber zu nehmen, für war um das Gemein­schaftliche Verhältnis zwischen Prinzipal & Angestellten das vielleicht im Verlauf des Jahres im Eifer der Pflichten da und dort scheinbar etwas geschmälert wurde wieder auf­zufrischen und wieder enger zu befestigen.

Indem ich nun jeden von Ihnen für die Ausdauer Pünktlich­keit, Willenskraft & Energie mit welcher ein Jeder von Ihnen hin nach Kräften seinem Posten im verflossenen Jahr vorgestanden ist meine volle Anerkennung und den wärm­sten Dank aus Spreche, hoffe ich mit aller Gewissheit dass auch im neuen Jahre ein Jeder von Ihnen in ungeschmäler­ter Weise fortfahren wird das Interesse des Geschäftes zu wahren, in welchem Falle wir bestimmt allen Anforderun­gen die das Geschäft und die Kundschaft an uns stellen wird nachkommen werden können. Ich ersuche Sie sich zu erheben Ihre Gläser zu ergreifen und auf das Wohlergehen unseres kranken Mitarbeiters Herrn Mann und auf das fort Blühen der Firma G & M & Co. zu trinken. Herr Mann und die Firma G & M & Co leben hoch hoch hoch.

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